Fachtag "Wie jede*r zu Wort kommt - Wege zur Gestaltung von niedrigschwelligen Beteiligungsangeboten"
Am 11. September 2024 veranstaltete das Institut für kommunale Planung und Entwicklung e.V. einen erfolgreichen Fachtag in der Freien Evangelischen Gemeinde in Erfurt. Unter dem Titel „Wie jede*r zu Wort kommt – Wege zur Gestaltung von niedrigschwelligen Beteiligungsangeboten“ versammelten sich rund 80 Teilnehmer*innen, darunter kommunale Planer*innen, Koordinierungsfachkräfte und Interessierte aus verschiedenen Bereichen wie Sozialplanung, Kinder- und Jugendhilfe sowie Bildung und Gesundheit.
Thema des Fachtags: Beteiligung als Schlüssel zur bedarfsgerechten Unterstützung
Der Fachtag setzte sich intensiv mit dem Thema der Beteiligung auseinander. Beteiligung ist ein wachsendes Arbeitsfeld für Kommunen und Landkreise, das umfangreiche Ressourcen, Kompetenzen und organisatorische Fähigkeiten erfordert. Sie ist entscheidend für die Sozialplanung, Prävention und die Arbeit an Querschnittsaufgaben von Politik und Verwaltung. Besonders betont wurde die Notwendigkeit, die Zielgruppen direkt einzubeziehen, um deren Bedarfe zu erkennen und passgenaue Angebote zu entwickeln. Niedrigschwellige Beteiligungsformate wurden als zentrale Methode hervorgehoben, um Zugang zu den Adressat*innen zu finden und bedarfsgerechte, passgenaue Angebote zu gestalten.
Der Tag begann mit zwei inspirierenden Grußworten. Janine Lärz, Referatsleiterin im Thüringer Ministerium für Arbeit, Gesundheit, Frauen und Familie, und Markus Büchel von der Auridis Stiftung eröffneten die Veranstaltung. Die beiden sich anschließenden Vorträge von Miriam Zeleke und Jens Hoffsommer boten einen fachlichen Rahmen, welche Bedeutung Beteiligungsangebote in der Planung und Gestaltung von Unterstützungsangeboten einnehmen.
„Kinderrechte und Armutsprävention“ – Miriam Zeleke
Miriam Zeleke, Landesbeauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, legte den Fokus auf die Bedeutung der Kinderrechte und Armutsprävention für Beteiligungsprozesse. Sie betonte, dass Kinder und Jugendliche aktive Gestalter ihrer Zukunft sind und ihre Stimme gehört werden muss. Miriam Zeleke erläuterte, wie wichtig es ist, den Fokus auf die Förder- und Beteiligungsrechte der Kinder und Jugendlichen zu legen, um sie umfassend in gesellschaftliche Prozesse einzubeziehen.
„Niedrigschwellige Beteiligung – Herausforderungen für Kommunen“ – Jens Hoffsommer
Jens Hoffsommer von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung beleuchtete die Herausforderungen der niedrigschwelligen Beteiligung für Kommunen. Kommunen stehen vor Besonderheiten, wenn es um langfristige Prozesse und die Einbindung junger Menschen geht. Beteiligung müsse spontan und zugänglich sein, etwa durch Bürgercafés oder Planspiele. Jens Hoffsommer hob hervor, dass es wichtig ist, Beteiligungsprozesse an die Lebenswelten der Zielgruppen anzupassen und „Handlungsmut“ zu zeigen, um auch in schwierigen Situationen Veränderungen zu ermöglichen.
Am Nachmittag des Fachtags standen den Teilnehmer*innen drei Fachforen offen, die tiefgreifende Einblicke in verschiedene praktische Beteiligungsprojekte ermöglichten. Diese Foren boten den Anwesenden die Gelegenheit, von erfahrenen Praxisvertreter*innen direkt zu erfahren, wie Beteiligungsprojekte in der Realität umgesetzt werden. Jede*r Referent*in stellte ihre/seine spezifischen Projekte vor, erläuterte die angewandten Methoden und Strategien und diskutierte die Herausforderungen sowie die Erfolge ihrer Ansätze.
Fachforum 1: Sich-Beteiligen, Mitreden und Mitentscheiden – Möglichkeiten von Beteiligung in der frühen Kindheit – Jens Hoffsommer
Jens Hoffsommer präsentierte konkrete Methoden zur projektorientierten Beteiligung von Kindern im frühen Alter. Er zeigte auf, wie wichtig es ist, Kinder in den Entdeckungsprozess einzubeziehen und ihre Fragen ernst zu nehmen. Sein Ansatz verdeutlichte, wie frühzeitig und effektiv Kinder an Entscheidungsprozessen beteiligt werden können.
Fachforum 2: „Gelingendes Aufwachsen in Warstein – Wege zur Beteiligung von Alleinerziehenden“ – Andreas Plenge & Stefan Hüttenschmidt
Andreas Plenge und Stefan Hüttenschmidt berichteten über das Projekt „Gelingendes Aufwachsen“, das sich auf die Verbesserung der Situation von Alleinerziehenden konzentriert. Sie erläuterten, wie das Verstehen der Bedürfnisse der Zielgruppe entscheidend für den Erfolg des Projekts war und welche nachhaltigen Ergebnisse durch die enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und dem Jobcenter erzielt werden.
Fachforum 3: „Stadt gestalten mit allen?! Stadtgesellschaft spielend beteiligen. Der Methodenansatz GAMIFICATION“ – Anja Fehre
Anja Fehre stellte das Projekt „Stadtmenschen“ und den Gamification-Ansatz vor, der durch Belohnungssysteme, Ranglisten und Herausforderungen Bürger spielerisch zur Teilnahme an Entscheidungsprozessen motiviert. Sie erklärte, wie diese Methode genutzt werden kann, um Bürger*innen aktiv in die Gemeindeentwicklung einzubinden und diskutierte die Übertragbarkeit der Ansätze auf andere Kontexte.
Abschlussinputs
Der Fachtag wurde mit zwei Abschlussinputs beendet. Sabrina Pott, Sozialplanerin aus Stuttgart, gab wertvolle Einblicke in die Beteiligungspraktiken ihrer Stadt und ermöglichte einen Perspektivwechsel. Sie betonte die Wichtigkeit der kontinuierlichen Reflexion und Qualitätsentwicklung in Beteiligungsprozessen. In der abschließenden Reflexion des Instituts für kommunale Planung und Entwicklung e.V. fasste Dr. Heike Schaarschmidt zusammen, dass die Lebensweltperspektive der Adressat*innen erforderlich sei und die professionelle Perspektive ergänze. Sie motivierte, die Menschen in ihren Alltagsbezügen aufzusuchen, teilhaben zu lassen und Angebote davon ausgehend zu gestalten. Niedrigschwellige Beteiligung habe sehr viel mit Haltung der Akteur*innen zu tun, was über den gesamten Fachtag immer wieder aufgezeigt wurde.
Wir danken allen Referent*innen und Teilnehmer*innen für die erkenntnisbringende und gelungene Veranstaltung.

